Heimatverein Neuhausen ob Eck e.V.

Altes bewahren - Neues dokumentieren

                       Motorisierter öffentlicher Personenverkehr


1921 hat die Württ. Kraftverkehrs-Gesellschaft m. b. H. die Autoverbindung zwischen Tuttlingen und Neuhausen eröffnet, wodurch die Verkehrsnot etwas gebessert wurde, und das Wirtschaftsleben der Gemeinde durch vermehrten Güterumschlag eine Verbesserung erfuhr.
Noch bis zum Jahre 1926 verkehrte die Postkutsche zweimal täglich zwischen Tuttlingen und Neuhausen. Ab 1.9.1926 wurde auf dieser Strecke eine Kraftpostlinie eingerichtet. Ende des Jahres 1928 wurde sie über Breitenfeld, Danningen, Worndorf, Bietingen, Krumbach nach Meßkirch verlängert.
Seit 1931 verkehrte wieder ein Bus nur noch zwischen Neuhausen und Tuttlingen. Die Kurse waren so eingerichtet, dass die Arbeiter morgens nach Tuttlingen zur Arbeitsstelle und abends wieder heimfahren konnten. Bedingt durch die Kriegsereignisse wurde der Kraftpostverkehr am 19.4.1945 eingestellt (Feindeinmarsch in Neuhausen am 21.4.45). 1946 – 1950 fuhr die Linie Neuhausen – Tuttlingen der Möhringer Privatunternehmer Ratte. Ihm kaufte Alfred Thiel 1950 einen Bus ab und übernahm den Arbeiterverkehr. 1951 eröffnete die Post  zusätzlich wieder ihre öffentliche Kraftverkehrslinie. Seit dem 18.6.59 fährt das Unternehmen Thiel allein die gesamte Linie im Auftrag der Bundespost.
Heute verkehren früh morgens 2 Autobusse nach Tuttlingen. Vormittags hat man zweimal (mit Post- und Bahnbus) und mittags einmal Gelegenheit, nach Tuttlingen zu fahren. Rückfahrgelegenheiten bestehen morgens um 8 Uhr, um die Mittagszeit mit dem Arbeiterbus, nachmittags mit dem Bahnbus und abends ebenfalls mit den Arbeiterbussen. Weitere Busverbindungen nach Tuttlingen sind bislang für die Post unrentabel. Fahren doch heute viele Neuhauser im Pkw nach Tuttlingen.
Die Pendelwanderung
Als die Industrie gegen Ende des letzten Jahrhunderts in Tuttlingen und anderen Städten aufzublühen begann, zogen zunächst viele Leute, die auf dem Lande nur ein spärliches Dasein fristeten, in die Stadt. Bereits um die Jahrhundertwende kam im Tuttlinger Gebiet die Pendelwanderung auf, zunächst in den verkehrsgünstig gelegenen Talgemeinden. Mit der Postkutsche oder zu Fuß war damals ein Pendeln von Neuhausen nach Tuttlingen unmöglich! Auch in den 20er Jahren erlaubte die Kraftverkehrslinie noch kein Pendeln.
In Neuhausen begann die Pendelwanderung erst Ende der 20er Jahre und vor allem, als die am Bogen liegende deutsche Wirtschaft mit Beginn des 3.Reiches 1933 allmählich wieder auf die Beine kam. Von Jahr zu Jahr stieg die Pendlerzahl an. Waren es 1933 noch 32, so waren es 1939 bereits 98 Personen, die in gewerbesteuerpflichtige Betriebe nach Tuttlingen pendelten. Zu diesen Zahlen dürfen wir jeweils noch 10 bis 20 % für weitere Pendler hinzuzählen. – Um das Fahrgeld zu sparen, fuhr damals der Großteil in der warmen Jahreshälfte mit dem Fahrrad. In der kalten Jahreszeit beförderte sie der Postbus nach Tuttlingen und wieder zurück. Nach den 2. Weltkrieg; kam das Pendeln immer mehr auf. Als 1953 die Zwickerei des Rieker-Filialbetriebs nach Tuttlingen verlegt wurde, mussten auf einen Schlag alle dort beschäftigten Männer nach Tuttlingen pendeln.
Bei der Volkszählung in Jahre 1961 pendelten 193 Erwerbspersonen, darunter 44 weibliche, nach Tuttlingen; 160 davon waren in gewerbesteuerpflichtigen Betrieben beschäftigt. Heute dürften es über 200 Pendler sein.
An dieser Stelle wollen wir einmal einen Blick auf die Verhältnisse in den umliegenden Ortschaften werfen. Sowohl 1950 als auch 1960 hängen die Pendlerzahlen Neuhausens gegenüber jenen der Nachbarorte weit zurück. Auch wenn nach meinen Feststellungen 1950 nicht 6 – 10 % sondern 15 – 20 %  aus Neuhausen auspendelten, so waren es in Fridingen 21 – 30 % und in Nendingen und Stetten 41 – 50 %. Im Jahre 1960 hatte sich das Bild gewandelt. In Neuhausen pendelten nun annähernd 30 % der Erwerbstätigen, in Nendingen über 50 %, während die Pendlerzahlen in Stetten und Fridingen durch Ansiedlung örtlicher Industrie etwas zurückgegangen waren.
Durch die Möglichkeit, zur Arbeitsstelle pendeln zu können, eröffneten sich den jungen Neuhausern erfreulicher-eise viele Berufe, die ihnen bislang nicht zugänglich gewesen waren. Hatten es sich doch früher nur wenige begüterte Familien leisten können, ihre Kinder auswärts in eine Lehre oder gar in eine höhere Schule zu schicken.



Die meisten Pendler fahren mit den Bussen der im Auftrag der Bundespost verkehrenden Firma Thiel.