Heimatverein Neuhausen ob Eck e.V.

Altes bewahren - Neues dokumentieren

                                                            Das Küfer-Handwerk


 von Hans Faude
Der Küfer-Fritz (Friedrich Müller, *1903-1943) war bedächtig im Sprechen und in
der Bewegung, gründlich genau bei der Arbeit. 
Nachdem die rohen Faßdauben mit der Bandsäge zurecht geschnitten waren,
wurde die folgende Küferarbeit meist noch am Schneidbock erledigt, bevor sie in den
Reif gesetzt wurden. Interessant war es, wenn die Faßdauben gekocht wurden und
dann mit dem Faßzug langsam zu einem Faß zusammengezogen und gleichzeitig die
Faßreifen nachgeschlagen wurden.
Einmal sollte es ein ganz großes Faß werden. Da wurde in die Faßmitte ein Feuer ge-
macht und das werdende Faß immer wieder nass ge-
macht, um auf diese Weise das Holz geschmeidig
und biegsam zu kriegen. Mit großen Faßbänder wur-
de das Faß dann mittels Schrauben zusammen ge-
trieben. Das große Faß war ein besonderes Ereignis
im Dorf und zog viele Schaulustige an. Es war schon
etwas besonderes, wenn der Küfer mit dem Setz-
und Treibhammer um das Faß herum laufend, die
Faßreifen einer nach dem anderen spannte und damit
die Dauben zu einem Faß zusammen trieb.
Der Küfer stellte auch Butter- und Rührfässer
her, welche er mit Messingreifen und Messingbe-
schlag versah und damit ein schönes Handwerks-
stück darstellte. Des weiteren zählten Krautstanden,
Waschzuber, Brühzuber für Metzger und Haus-
schlachtungen, Gelten, Bütten, Güllenfässer und
Schapfen.

"Küfers" aus der Neuen Gasse 7, um 1925               Mostpresse beim "Kiefer-Fritz" i.d. Neuen Gasse     Faßbinden bei der Küferei in der Neuen Gasse

Müller Christian (Kiefer-Christen)

* 28.08.1863 Neuh.  + 16.09.1930 Neuh.

Müller, geb.Hauser, Rosine Katharine

(Kiefer-Christijane)

* 05.11.1865 Neuh.  + 11.12.1952 Neuh.



Vor dem Haus waren rohe Holzdauben in sechseckige, 3 bis 5 Meter hohe Tür-

me, zum Trocknen aufgestapelt.
Fässer putzen und die Böden dann mit Knospen wieder einsetzen war Routinear-
beit, ebenso die Faßtürle mit Streichfett wieder festschrauben und danach die gesäu-
berten Fässer ausschwefeln. In vielen Häusern waren die Fässer vom Essigstich be-
fallen, was hinterher einen schlechten Most gab. Man sagte dann: der Most zieht ei-
nem die Löcher in den Strümpfen zusammen.
Zum Mosten mußte man zunächst von Hand das Obst mahlen, aber nach einiger
Zeit kaufte der Küfer-Fritz eine elektrische Obstmühle und auch eine hydraulische
Presse. Da war dann das Mosten eine leichtere Arbeit und machte Freude. Wenn der
höchste Druck erreicht war, schaltete die Presse automatisch die Hydraulik ab. Mit
dem Küfer seinem Faßwagen hat man den Most Heimgefahren und mit einem gelie-
henen Schlauch in die eigenen Mostfässer abgefüllt. Wenn man den Most mit dem
Eimer in den Keller tragen mußte, bekam man vom Küfer auch einen Trichter mit.
Der Trester wurde zerkleinert und in einem Bottich mit Wasser ein paar Tage ange-
setzt, dann noch mal gepreßt und dies war dann der Nachdruck, der dem im Faß
schon vor Tagen eingefüllten Obstsaft zugesetzt, damit das Getränk, der Most, nach
dem Vergären keinen so hohen Alkoholgehalt mehr hatte.
Im ersten Jahr hatte sich die automatische Abschaltung verstellt. Der Fritz war
gerade in der Werkstatt, als es einen mords Krach gab und die Presse sich selbst zer-
störte. Der Küfer-Fritz ist 1943 als Soldat gefallen