Heimatverein Neuhausen ob Eck e.V.

Altes bewahren - Neues dokumentieren

                                                            Das Schmiedehandwerk


Der älteste Familienbetrieb in Neuhausen ob Eck, dürfte jener von Schmied Hermann Ries in der Tuttlingerstrasse 1 gewesen sein. 9 Generationen lang war die Schmiedewerkstatt in derselben Familie. In ununterbrochener Reihenfolge können wir hier alle Schmiede aufmarschieren lassen:

Der Schmiedeknecht Hannß Ulrich Rieß (1653-1710) aus Tuttlingen hatte im Jahre 1678 in Neuhausen die Witwe des verstorbenen Schmieds, Jakob Maurer, geheiratet, wodurch die Schmiede in den Besitz der Familie Rieß gekommen war. Als Inhaber folgten Hannß Jerg Rieß, Richter und Schmied (1679-1748), Johann Georg Rieß, Richter und Schmied (1712-1782), Jakob Friedrich Rieß, Richter und  Hufschmied (1754-1835), Johann Georg Rieß, Bürger und Schmied (1775-1834), Johannes Rieß sen., Bürger und Schmied (1802-1873), Johannes Rieß jr., Bürger und Schmied (1739-1922), Hermann Rieß sen. (1877-1942), und Hermann Ries jun. (1905-1980).





Seit Jahrhunderten richteten sie nicht nur die Hufe der recht zahlreichen Pferde, ochsen und Kühe von Neuhausen, sondern sie bedienten in erster Linie die durchfahrenden Fuhrwerke. Diese verkehrten in beide Richtungen von Freiburg und Villingen über Tuttlingen und Neuhausen nach Ulm und Ravensburg, sowie -und dies vor allem in späteren Jahren bis 1905 ausschließlich - vom Heuberg in die Schweiz. In Neuhausen stellten sie ihre Fuhrwerke des Abends neben der Schmiede, in der Taverne "Zur >Krone" ein. Oft sollen hier bis zu 50 Fuhrwerke gestanden haben. So brauchte der Huf- und Wagenschmied nicht über Arbeitsmangel klagen.


Schmiedemeister Hermann Rieß bei der Arbeit / Der Farrenwärter bringt einen seiner 6 gewichtigen Schützlinge zum "Hufdoktor"


Durch die ausgezeichnete Geschäftslage war die Schmiede seit jeher eines der bestgehendsten Handwerksbetriebe im Dorf. Dies ersehen wir u.a. aus dem Steuer-Subrevisionsprotokoll von 1732. Hier lesen wir, dass Hannß Jerg Rieß 1728 mit 50 fl zur Steuer veranschlagt war, während sich der Betrag bei den anderen 3 Schmieden auf 35 fl belief. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Pferde von den Landstraßen verschwanden und der Traktor die Pferde in der Landwirtschaft nach und nach ablöste, musste sich auch Schmied Ries umstellen. Er war nur noch nebenbei Hufschmied und "Hufdoktor", in der Hauptsache verlegte er Wasserleitungen, reparierte Landmaschinen, baute Anhänger für Traktoren und produzierte Baubeschläge. Bis zur Aufgabe der Schmiede, waren immer 2-3 Lehrlinge und Gesellen beschäftigt.

Das Gebäude der Schmiede wurde am 15.12.2014 abgerissen.

Haus vor dem Abriss (3)_1
Haus vor dem Abriss (3)_1
Abriss 15.12.14 Nachmittag 023
Abriss 15.12.14 Nachmittag 023
Abriss 15.12.14 Nachmittag 038
Abriss 15.12.14 Nachmittag 038
Abriss am 15.12.14 006
Abriss am 15.12.14 006
Abriss am 16.12.14 042
Abriss am 16.12.14 042

Bilder Winni Rimmele